Reset-Knopf für das Internet!

Laut einem Bericht auf Spiegel Online packt der Bund Deutscher Kriminalbeamter die ganz große „Das Internet ist gefährlich!“-Keule aus. Es soll sogar die Zerstörungskraft von Nuklearwaffen haben, wenn man den Worten von BDK-Chef Klaus Jansen Glauben schenken mag. Der größte Tatort der Welt ist es noch dazu. Zeit zu handeln also?

Was tun?

Der gute Herr Jansen hat natürlich auch schon recht konkrete Vorstellungen, wie man der unbändigen Gefahr durch das Internet begegnen sollte. Zunächst hätten wir da den „verlässlichen Identitätsnachweis im Netz“. Wer künftig im Internet beispielsweise Käufe oder Überweisungen tätigen wolle, müsse sich bei einer staatlichen Stelle registrieren. Darüber hinaus forderte Herr Jansen die Bundesregierung auf, „Verkehrsregeln“ für das Internet zu schaffen und Spezialeinheiten für Computerkriminialität auszbilden. Einen 15-Punkte-Plan mit Sofortmaßnahmen besteht selbstverständlich auch schon. Laut Spiegel Online umfasst dieser „gesetzliche Befugnissen für offene und verdeckte Ermittlungen im Internet, speziell in sozialen Netzwerken wie Facebook, SchülerVZ oder Twitter“. Darüber hinaus soll die Polizei das Recht bekommen, „Trojaner, Viren und Schadprogramme von privaten Rechnern entfernen zu dürfen“, die durch Kriminelle dort platziert worden wären.

Die staatlichen Ermittler sollen also private Computer nicht nur durchsuchen, sondern bei Bedarf auch manipulieren können. Ich schätze, speziell diese Idee dürfte sich in Deutschland allergrößter Beliebtheit erfreuen (Vorsicht: Ironie). Doch das ganz große Finale kommt noch: Da „Attacken auf die digitale Infrastruktur des Landes sich ähnlich verheerend auswirken können wie atomare Angriffe“, müsse es einen Reset-Knopf für das Internet geben, mit dem das Kanzleramt Deutschland notfalls sofort vom Netz nehmen könne. Richtig, ganz Deutschland auf Knopfdruck ohne Internet.

Sind wir nun alle sicher?

Der Chaos Computer Club positionierte sich zu den Ideen recht eindeutig: „Der Reset-Knopf ist eine lächerliche Schnapsidee.“ Die Menschen würden vom Informationsfluss abgeschnitten und die Wirtschaft generell ausgeschaltet werden. Zudem zeige die Kriminalitätsstatistik, dass Straftaten im Internet deutlich häufiger aufgeklärt würden als in der nichtvirtuellen Welt. Dass Herr Jansen also mit seinen Vorschlägen die Welt vor dem Internet retten darf, kann meines Erachtens ruhig angezweifelt werden.

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