Es lebe der Zusammenhang!

Zitate können etwas wundervolles sein. Immer wieder werden z. B. wunderbare Passagen aus Film und Musik genutzt, um die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Dummerweise kann es passieren, dass ein Zitat, sobald es aus dem Zusammenhang gerissen wird, eine völlig andere Aussage erhält. So etwas kann gefährlich sein, auch – oder gerade – in den Medien.

Worauf will der hinaus?

Ein Beispiel hierfür ist ein Vorfall, der sich vor kurzem in den USA ereignete. Andrew Braitbart – laut epd ein in den USA bekannter rechter Blogger – publizierte ein zweineinhalb minütiges Video, in dem die ehemalige Mitarbeiterin des US-Landwirtschaftsministerium Shirley Sherrod angab, sie habe vor 24 Jahren einem in finanzielle Not geratenen weißen Bauern nicht so recht helfen wollen. Immerhin hätten schwarze Bauern viel mehr gelitten. Da war für Herrn Breitbart natürlich die Sache klar: Frau Sherrod ist Afroamerikanierin und damit handelte es sich hier ganz klar um Rassismus. Der Sender Fox News ließ sich nicht lange bitten und zeigte das Video stundenlang während der Hauptsendezeit. Das Ergebnis aus dieser medialen Hetzjagt dürfte kaum überraschen: Frau Sherrod bekam zwei Anrufe, in denen ihr nahegelegt wurde zu kündigen.

Und wo ist jetzt der Zusammenhang?

Genau der fehlte. Das zweieinhalb minütige Video war nämlich nur ein kleiner Mitschnitt – ein Zitat, wenn man so möchte – aus einer etwa 40 Minuten andauernden Rede, in der sie aus ihrem Leben im „rassistischen Süden“ gesprochen hatte. In der Rede habe sie verdeutlichen wollen, dass auch sie zunächst die Vorurteile überwinden musste, welche sie selbst hegte, nach dem z. B. ihr Vater von Weißen ermordet wurde. Der Fall mit dem weißen Bauern habe ihr jedoch die Augen geöffnet und ihr gezeigt, dass es keinen Unterschied zwischen den Rassen gebe.

Im Übrigen stand die weiße Familie ihr während der Kontroverse auch zur Seite. Der New York Times sagte Eloise Spooner, die sich damals mit ihrem Mann an Frau Sherrod wandte: „Wenn wir sie nicht gefunden hätten, dann hätten wir alles verloren“.

Und die Moral von der Geschicht‘?

Mittlerweile hat die Regierung der USA eingesehen, dass sie einen Fehler begangen und vorschnell gehandelt hat. Man hat sich offiziell bei Frau Sherrod entschuldigt und ihr ihren alten Posten auch wieder angeboten.

Bedenklich ist bei der Sache allerdings, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Als „respektabel“ geltende Medien hatten über den Fall berichtet, ohne das Video zu hinterfragen – und das obwohl Breitbart und seine Gesinnung keinesfalls unbekannt sind. Die Annahme, dass es hier nur darum ging eine Nachricht so schnell und quoteneffizient wie möglich an den Mann zu bringen, liegt selbstverständlich nahe. Und es darf auch deutlich darauf hingewiesen werden, wie groß die Macht der Medien ist. Immerhin hat eine Regierungsmitarbeiterin der Vereinigten Staaten von Amerika ihren Job verloren – und das nur, weil ein Video, ja ein Zitat völlig aus dem Zusammenhang gerissen und damit eine Aussage ins Gegenteil geändert wurde.

Ob Frau Sherrod das Job-Angebot annimmt, ist aktuell laut meinen Informationen noch offen.

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