Mediennutzung „on demand“ – Die grundlegende Veränderung unserer Nutzungsgewohnheiten

Wer sich vor 20 Jahren darüber informieren wollte, wie es in der Welt aussieht, der musste sich eine Zeitung kaufen und damit die Nachrichten von gestern lesen oder darauf warten, dass um Punkt acht Uhr die Tagesschau kommt. Wer ein Musikvideo sehen wollte, der musste stundenlang vor MTV sitzen und hoffen, dass es gespielt wird. Und wer eine Folge seiner Lieblingsserie verpasst hat, der musst entweder auf eine Wiederholung hoffen oder den Videorekorder programmiert haben, was früher das synonym für „unmöglich“ gewesen war. Heute sieht die Welt anders aus und niemand wartet mehr auf irgendwas. Wie das „On demand“-Prinzip unser Leben verändert hat.

Die Welt sieht heute freilich anders aus.

 

Die fordernde On-demand-Welt

Jedes Musikvideo, jede Information und jede Nachricht ist heute auf Aufforderung aus dem Netz zu beziehen. In der Zeit von Youtube, Twitter und Google wartet heute niemand mehr auf etwas. Er holt es sich einfach. War es am Anfang noch befremdlich für den ein oder anderen, ist es heute üblich Youtube oder Myspace oder Lastfm laufen zu lassen, statt eine ordinäre CD einzulegen. Es ist üblich seine Nachrichten, als vollwertige Sendung bei ARD, ZDF, n-tv, N24, CNN oder BBC aus dem Netz zu ziehen. Die wichtigsten Nachrichten sind darüber hinaus auch auf den Webauftritten der größten Zeitungen zu finden und werden über Twitter und Facebook-Status vertrieben. Und selbst die letzten Sendungen von Anne Will sind per Click jeder Zeit verfügbar.

Doch selbst das verhältnismäßig traditionelle Medium Fernsehen verändert sich. Wer zum Beispiel das Unterhaltungspaket der magentafarbenen Kommunikationsriesen bezieht, kann einer schlauen Box sagen, sie soll jede x-beliebige Sendung aufzeichnen, sogar in Serie. Pausieren, vor- und zurückspulen, alles kein Problem. Fernsehen kommt dann nur noch so wie und wann der Benutzer es will.

Von praktisch zu kulturbrechend

Doch was bedeutet das für unsere (Medien-)Kultur? Was ohne Zweifel gesagt werden kann ist, dass sie sich verändert. Der Zwang, sich nach den Medien zu richten, wird fast vollständig aufgehoben. Einzig zum Kino muss man noch pünktlich erscheinen. Außerdem werden Nutzungsgewohnheiten aufgehoben. Wer sich vor 10 Jahren noch beeilt hat pünktlich da zu sein, um sich mit einem Freund eine Serie anzusehen, der muss heute ggf. lediglich vom Fernseher an den Laptop wechseln. Der Streit um die Morgenzeitung wird endgültig der Vergangenheit angehören, wenn jeder am Frühstückstisch ein IPad in der Hand hält. Das ist natürlich ungemein praktisch. Das Zeitmanagement eines jeden einzelnen wird damit ungemein erleichtert. Aber heißt Kultur nicht immer auch, dass man etwas miteinander teilt? Man möge mich nicht falsch verstehen! Ich will mich nicht in die lange Schlange jener einreihen, die den medial verursachten Untergang der Kultur prophezeit haben, der niemals kam. Aber eine gewisse Sensibilisierung für diese rasanten Entwicklungen ist sicherlich ratsam. Kultur ist immer, was wir daraus machen und was wir teilen. Die Frage lautet also, welche Kultur wollen wir?

Meine persönliche Antwort darauf lautet: Ich verpasse manchmal etwas ganz bewusst, damit ich, wenn ich etwas sehe / konsumiere einen gewisse Rahmen habe, der etwas Besonderes hat.

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