Wetter für Fluglinie – Werbung und Inhalte im Fernsehen

„Das Wetter wird Ihnen präsentiert von…“ Diese und viele andere Ansage der selben Art, kennt der geneigte Fernsehzuschauer schon seit Jahren. Doch heute erlebte ich etwas vollkommen Neues. Werbung, die so tut, als wäre sie Inhalt. Von der Abstrusität des Werbezwangs privater Fernsehsender.

Private Sender sind, das wissen wir alle, auf die Werbeeinnahmen aus dem laufenden Programm angewiesen. Produktions- und Personalkosten, all das muss durch Werbung finanziert werden. Wir Zuschauer haben uns damit arrangiert. Wir gehen während den Werbepausen auf die Toilette, holen uns was zu trinken oder diskutieren über die Sendung, die gerade läuft. Und seien wir ehrlich: Nicht selten gefällt uns der ein oder andere kreative Werbespot.

Neue Wege des Sponsoring oder doch nur Werbung?

Doch N24 beschloss nun neue Wege zu gehen. Am Ende eines Newsblocks schaltete das Bild wie gewohnt, auf eine der Wetterfeen des Senders, die sogleich damit begann, das Wetter anzukündigen. Heute hui aber morgen schon pfui, riet sie dem Zuschauer, lieber in den Süden zu fliegen. Zum Beispiel da und dahin für nur 44 Euro Oneway mit der und der Fluglinie, die zufälligerweise der übliche Sponsor der Wettersendungen ist. Doch damit nicht genug. In dem knapp drei-minütigen Beitrag (inkl. Werbeeinspieler des „Sponsors“ vor und nach der Sendung) war die in der Uniform der Flugbegleiter gekleidete Wetterfee offensichtlich angehalten sieben Mal den Sponsor zu nennen und zwei konkrete Angebote zu äußern.

Werbung statt Wetter – Wohin auch immer Quote und Umsatz uns führen

Erst als alles fast vorbei war, sah ich den dezenten Hinweis in der rechten Ecke „Dauerwerbesendung“. Sehr geschickt! Wer das Wetter sehen wollte, der blieb in der Annahme, nun Inhalte und keine Werbung zu sehen, statt auf die Tiolette zu gehen;  statt auf „Durchzug“ zu schalten. Damit dürfte der mittlerweile werbungerfahrene Zuschauer einmal mehr ausgetrickst worden sein. Er richtet nun doch Aufmerksam auf Werbung, die er im Alltag weitestgehend ignoriert.

Spannend dabei ist, dass sich N24 nach einem anschließenden Werbeblock eine „echte“ Wettersendung gegönnt hat, die allerdings wieder von der selben Airline gesponsort wurde. Noch spannender ist, dass in der Live-Schalte nach Japan (via Skype) in der Sendung zuvor ein Student als Pseudo-Korrespondent erwähnte, dass die privaten Fernsehsender in Japan aufhören, über Erdbeben zu berichten, wenn der Zuschauer etwas anderes sehen will; wenn sich Quote und Umsatz eben mit etwas anderes machen lassen. Ökonomie in den Medien, immer wieder schön zu beobachten.

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Ein Gedanke zu “Wetter für Fluglinie – Werbung und Inhalte im Fernsehen

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