Computerspiele: Zeitverschwendung oder ernste Kultur?

Computerspiele sind bloßer und meistens hirnloser Zeitvertreib. Denkste! Computerspiele entwickeln sich weiter und werden wie andere „junge Medien“ auch zum Bestandteil dieser unserer Kultur. Sie prägen unsere Wahrnehmung, unser Verständnis für die Welt und spiegeln letztlich auch unsere Kultur in sich wider. Zeit für eine neue Betrachtung der Computerspiele.

Computerspiele sollen ernst zunehmende Kultur sein? Diese Frage stellt auch die TAZ und die Zeit berichtet dieser Tage sogar über Duke Nukem, der nach Jahren und Jahrzehnten der Entwicklung nun endlich wieder auf die Bildschirme kommen soll – ganz oldschool jedoch, um den Charme und den kulturellen Wert  (?) des Originals zu erhalten.

Doch ist das haltbar? Sind Computerspiele, jene Baller- und Killerspiele ein Stück Kultur? Bedienen sie nicht einfach niedere Bedürfnisse, die mit einem Hauch Teenager-will-Regeln-brechen daher kommt? Und überhaupt! Computerspiele sind doch eh nur was für Nerds. In der echten Welt interessiert sich kein Schwein darum?

Computerspiele in unserer Gesellschaft – jeder spielt

EPIC FAIL! – Wie der gemeine Spieler hier sagen würde. Für den Rest der Welt: Mit Nichten! Computerspiele sind zu einem nicht unerheblichen Markt geworden und Spielen ist schon lange gesellschaftlicher Usus. Wir spielen auf Konsolen, PCs, Handys. Wir spielen Online, Offline, im Browser kostenlos und kostenpflichtig MMOGs oder „normale Spiele“. Spiele-Conventions füllen ganze Messehallen und im Fernsehen macht für gewöhnlich auch keiner Werbung, der nicht weite Teile der Bevölkerung erreichen kann. Kurz: Spielen ist schon lange keine Außenseiter-Nerd-Sache mehr.

Bleibt der Vorwurf der Trivialität. Der Vorwurf, Spiele seien lediglich Unterhaltungsgegenstände ohne kulturelle Tiefe, der beweist erstaunliche Unkenntnis der Materie. Ein Beispiel: Das Ende 2009 erschienene „Call of Duty – Modern Warfare 2“ (Infinity ward / Activision), ein realistischer first-person-shooter, erregte selbst unter Gamer kontroverse Diskussionen. Der Grund: In einem Level sah die Handlung vor, dass der Spieler in der Rolle eines Terroristen auf wehrlose Passanten am Moskauer Flughafen schießt und ein wahres Massaker anrichtet. Eine sehr untypische Szenerie für Spieler, die für gewöhnlich nur auf wehrhafte oder so oder so unrealistische Figuren zu schießen gewohnt sind. Doch die Entwickler bestanden darauf, dass das Level im Spiel bleibt und beanspruchten künstlerische Freiheit in Analogie zu Film und Fernsehen für sich.

Spiele und künstlerische Freiheit

Moment! Künstlerische Freiheit? Wo kommt die denn her, wenn es in Spielen nur um schnödes Amusement geht? Ähnliches zeigt sich bei GTA IV, dessen Entwickler viel Mühe darauf verwandten, eine komplette fiktive Welt zu erschaffen, die die unsrige kritisch parodiert. Das sieht man natürlich nicht, wenn man nur Blut und Gewalt und Sex auf dem Cover wahrnimmt.

Die Realität ist, dass viele Menschen Weltverständnis und nicht selten sogar handfeste Bildung aus Computerspielen ziehen. Fakt ist, dass Form wie Inhalt von Computerspielen eine Beschäftigung mit unserer Welt sind. Fakt ist, dass bei Computerspielen gilt, was auch bei Literatur, Musik und Filmen gilt: Wer sich damit auseinandersetzt, setzt sich auch mit Gesellschaft und Kultur auseinander. Wenn das kein Kulturgut definiert, dann weiß ich nicht, was es sonst tun sollte.

Das Twitter update

Ich bedanke mich herzlich bei bartlog und bei janstockmann für zwei Hinweise, die ich hier nicht explizit gemacht habe. Erstens muss Kunst und Kultur nicht zwangsläufig ernst sein. Somit ist das „ernst“ natürlich nur als Synonym für eine gewisse kulturelle Relevanz zu verstehen. Zweitens sollte angemerkt sein, dass in Deutschland Computerspiele bereits als Kulturgut gesehen werden, was allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung etwas hinterherhinkt.

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Ein Gedanke zu “Computerspiele: Zeitverschwendung oder ernste Kultur?

  1. Pingback: Kritik des reinen Spielprinzips – Oder: Wie die Evolution der Spiele fehl ging « Mates'Media

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