Mediennutzung – Die (Irr-)Wege der Musikindustrie

Die Kaiser Chiefs probieren einen neuen Vertriebsweg aus, der die Fans nicht nur grundlegend „in das Album“ einbindet, sondern sie sogar daran mitverdienen lässt. Das ist hoch interessant und sicherlich außergewöhnlich, aber auch geeignet als „neuer Vertriebsweg“ für die Musikindustrie?

Das „Gedudel“ von stagnierenden CD-Verkäufen ist ja mittlerweile hinreichend bekannt. Auch wenn die Schallplatte momentan eine Art Revival erlebt, so gilt dieses doch eher nur für Liebhaber, die sicherlich nicht die Mehrheit darstellen. Der digitale Download hat sich längst als Absatzweg etabliert – sowohl legal, als auch illegal – und damit die ganze Industrie auf den Kopf gestellt. Downloads einzelner Songs für 0,95 EUR sind längst keine Seltenheit mehr und stellen damit das Konzept „Album“ in Frage. Die meisten Bands dürften das erkannt haben, einige davon haben sich auch „dem Markt angepasst“ und produzieren weniger Alben, aber dafür mehr „Häppchen“, die dann zum Download angeboten werden. Oft werden auch erste Singles komplett unentgeltlich von den Bands bzw. den Labels direkt angeboten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und später im „spread the word!“-Prinzip die folgenden Alben unter das Volk zu bringen (nicht selten mit Unterstützung der Bloggerszene). Doch das Internet ist riesig und die Bands werden auch eher mehr als weniger, deswegen funktioniert so etwas nur bedingt. Was also tun?

Die britische Band Radiohead wagte seiner Zeit mit ihrem Album In Rainbows einen „Ausfallschritt“ und bot das Album direkt – das heißt ohne Umwege über ein Label – zum Download an. Die Fans durften den Preis selbst bestimmen und die Discbox, die man dann in den Händen halten konnte, erschien auch erst einige Wochen später. Natürlich hat dieser neuartige Vertriebsweg damals in den Medien hohe Wellen geschlagen, war er doch in der Art und Weise innovativ. Viele Menschen haben das Album für einen Appel und ein Ei heruntergeladen, ohne tiefer in den Geldbeutel zu greifen, doch vor allen Dingen Fans waren durchaus bereit auch mal über 10 Dollar hinzublättern. Diese Art des Vertriebes hat damals ganz gut funktioniert, aber eben auch nur aufgrund der Tatsache, dass es ein Novum war. Darüber hinaus dürfte aber vordergründig auch der hohe Bekanntheitsgrad von Radiohead das Ganze ordentlich gepusht haben. Usus ist dieser Weg nicht unbedingt, man findet jedoch beispielsweise auf der Musikplattform bandcamp immer wieder die gleiche Vorgehensweise bei eher unbekannten Bands, die so ihre Musik zur Verfügung stellen und (auch) ihren Bekanntheitsgrad erhöhen wollen.

Einen etwas anderen Weg gehen aktuell die Kaiserchiefs mit ihrem Album The Future is Medieval. Gedacht haben sich das die Jungs folgendermaßen: Wer sich das Album herunterladen möchte, der hat die Wahl zwischen 20 verschiedenen Songs. Für 7,50 britische Pfunde darf man sich selbst ein Album mit 10 Songs zusammenstellen. Um die Geschichte dann noch etwas zu individualisieren, darf man sich zusätzlich ein eigenes Cover zusammenbasteln und schwupp di wupp, schon ist das eigene und persönliche Kaiser Chiefs Album fertig. Aber das ist noch nicht alles. Das selbst zusammengeschusterte Album wird auf einer eigenen Seite zum Download angeboten, also mit den Songs, der Reihenfolge und dem Cover, das man selbst gewählt hat. Lädt jemand dort The Future is Medieval herunter, landet 1 Pfund auf dem eigenen Konto. Inwiefern das Konzept bombenmäßig einschlagen wird, wird sicher sicherlich in den nächsten Tagen zeigen. Ein Blick auf die Album Gallery zeigt jedenfalls, dass sich z. B. Guardian Music oder auch this is fake diy ein eigenes Album erstellt haben und das jetzt zum Verkauf anbieten. Wie seiner Zeit bei Radiohead erscheint auch hier jedoch die „reguläre CD“ etwas später, in diesem Fall am 01.07.2011.

Meiner bescheidenen Meinung nach wird sich dieses Experiment für die Kaiser Chiefs auszahlen (und ich persönlich halte das auch wirklich für ne coole Idee), aber es stellt kein brauchbares Zukunftskonzept für die ganze Industrie dar. Die Option aus 20 verschiedenen Songs auszuwählen ist sicherlich toll, setzt aber natürlich eine gewisse Qualität voraus. 20 Songs zu schreiben, welche die Band auf ein Album packen würde (und damit den Fans guten Gewissens präsentieren kann) bedeutet natürlich auch einen gewissen Mehraufwand. Ein bisschen was dazu verdienen werden hierbei auch nur die allerwenigsten, nämlich die, welche ohnehin schon im Internet sehr präsent sind und damit bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht haben. Dieser Motivationstrick dürfte also auch nur sehr begrenzt greifen. Nichtsdestotrotz zeigen die Kaiser Chiefs eindrucksvoll, dass man die eigene Musik durchaus kreativ vermarkten kann. Zumindest, wenn man sich schon einen gewissen Namen erspielt hat (denn das ist aller Kreativität zum Trotz in meinen Augen noch immer einer der Hauptmotoren für solche Späße).

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Ein Gedanke zu “Mediennutzung – Die (Irr-)Wege der Musikindustrie

  1. Das ist eine Abzocker aus dem rennen kick Strategie vom feinsten, endlich mal etwas auf freiwilliger Basis. Wo sich im endeffekt wahre Werte bezahlt machen. Nichts zu sehen von Gier und Geiz.

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