10 Jahre WoW – ein Fan gratuliert

Ich spiele kein WoW mehr und mein Abo ist auch schon länger gekündigt – das Eine folgt ja nicht zwangsläufig dem Anderen, wie viele Spieler zugeben müssen. Ich spiele kein WoW mehr, weil es mir schlicht und ergreifend keinen Spaß mehr macht. Und trotzdem fesselt mich dieses Spiel noch immer auf eine spezielle Art und Weise, wie kein anderes Spiel.

World of Warcraft, ich gratuliere dir zu deinem 10. Geburtstag wie ich einem alten Kumpel gratuliere: Mit Erinnerungen, Wehmut und dem Gefühl, eine gute Zeit gehabt zu haben.

Auf ins gelobte Land

Eigentlich begann die Reise mit Warcraft III – The Frozen Throne. In der Hülle dieses fantastischen Spiels fand sich ein kleiner Flyer, der eine Dschungelbrücke zeigte, die zwischen zwei Felsenvorsprüngen hing. Sicherlich eine Szenerie aus Stranglethorn, noch immer habe ich das Bild vor meinem geistigen Auge. Ich hatte keinerlei Ahnung, um was es bei diesem Flyer ging – trotzdem war ich dir, liebes WoW, zu dem Zeitpunkt (oder viel mehr deinem Universum) verfallen. Anderthalb Jahre vor Veröffentlichung.

Es begann die Pre-Release-Phase und damit verbunden die erste Gildensuche meiner noch jungen Spielerkarriere (die im Übrigen alles andere als steil verlief, nur um hier keine Missverständnisse aufkommen zu lassen). Homepageaufbau, Gildenvorstellung auf diversen Fanseiten, Kontakte zu den Anderen pflegen. Und dabei merken, wie unglaublich zahlreich die Anderen sind. Menschen aller Couleur, ein großer bunter Haufen unterschiedlichster Herkunft, aber alle unterwegs in die selbe Richtung. Zu dir. Es war eine aufregende Reise in ein fremdes Land, wohlwissend, dass man noch keinen Zutritt hatte. Doch das machte nichts, denn die Neugier einte uns alle und so ertrugen wir es mit Geduld, wilden Spekulationen und Wunschträumen. Bis die Tore sich endlich öffneten.

Northshire Abbey

Nun könnte man meinen, da die Tore endlich offen waren, dass all die Wunschträume an der Realität zerschellten, wie es bei zu hohen Erwartungen oft der Fall ist. Doch du enttäuschtest uns nicht. Ohne perfekt zu sein, ohne all den Wunschträumen zu entsprechen, botest du uns eine große Spielfläche voller kleiner Häuschen, Seen, Kobolde und Strauchdieben, die schon sehr bald Burgen, Meeren, Drachkins und Hexern wichen. Alleine mit einem Spaziergang durch deine Wälder und entlang deiner Ufer verzaubertest du uns und nahmst uns mit auf ein Abenteuer, nein, auf das Abenteuer unseres digitalen Lebens. So zumindest kam es mir vor, dem amateurhaften Sportspielespieler, dessen Horizont sich mit jeder Spielstunde erweiterte.

Lich King

Was deine Gemeinschaft um dich herum aufbaute, war atembaurend. Unterschiedlichste Kunstwerke in Form von Bildern, Comics, Filmen – neben all den Informationsplattformen, Diskussionsformen, Theorycraftereien und was es nicht noch alles gab. Du warst nie nur ein Computerspiel, du warst immer auch ein Hort der harschen Worte, der kreativen Ergüsse, der gemeinsamen Erlebnisse, der dreckigen Witze, der Zusammenkunft und der Trennung.

Du merkst, liebes Wow, ich erzähle in den höchsten Tönen von dir. Ungeachtet dessen, wie viele Stunden ich auf einen der 39 weiteren Mitspieler warten musste oder ich in verbrannter Umgebung auf stupider Zutatenjagd war für diverse Tränke. Egal, wie viele Disconnects ich mitten im Bosskampf ertragen musste, wie viel Lebenszeit mich deine Lags gekostet haben. Ich erzähle von dir, wie man es eben macht, wenn man an eine gemeinsame Zeit gerne zurückdenkt und man gleichzeitig weiß, dass sich diese niemals mehr wiederholen lässt.

Happy Birthday. Und irgendwie auch danke.

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